Kann Grafikdesign überhaupt nachhaltig sein?

Graues und hässliches Papier und dazu noch teuer! Am Designvorgang an sich kann man doch sowieso nichts anders machen! Nachhaltiges Grafikdesign – das passt doch nicht zusammen.

Stimmt das?

Manchmal vielleicht. Aber meistens nicht!

Wie ich Nachhaltigkeit in meiner Tätigkeit als Grafikdesignerin umsetzen kann, war mir lange selbst nicht klar. Recyclingpapier, Ökostrom, Drucker mit „Blauem Engel“, Video-Call statt Meeting, Nachfüllstifte…

Aber da geht doch mehr? Viel mehr?

Ich fing an, zu suchen.

Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr Möglichkeiten habe ich gefunden. Und umso klarer wurde mir, was ich alles besser machen kann.

Nachhaltigkeit ist auch in der Druck- und Medienbranche längst kein idealistisches Nischenthema mehr.

Auch, wenn immer noch ein bisschen mehr geht 😉

Warum ich nachhaltig designen möchte

Ich möchte authentisches und wirkungsvolles Brand Design mit Menschlichkeit und Nachhaltigkeit verbinden.

Ein Zitat aus der „Charta für nachhaltiges Design“ der Allianz deutscher Designer (AGD):

„Designerinnen und Designer sind in hohem Maße mitverantwortlich dafür, wie unsere Welt gestaltet wird. Design prägt, Design ist Vorbild und schafft neues Bewusstsein. Design verbraucht Ressourcen – manchmal mehr, manchmal weniger. Dem nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen, mit der Umwelt und mit den Menschen, die noch über Generationen in dieser Welt leben können sollen, muss Design gerecht werden.“

Charta für nachhaltiges Design bei Allianz deutscher Designer (AGD). URL: https://agd.de/designer/szene/design-nachhaltigkeit/charta-fuer-nachhaltigkeit (Abrufdatum: 03.12.2020)

Mein Ziel ist es, zu inspirieren. Ich möchte meinen Kund:innen zu helfen, beim Branding und Design ressourcenschonende Produktionsweisen und soziale Verträglichkeit im Blick zu behalten.

Graspapier duftet tatsächlich ein bisschen nach Heu! Es wird bis zu 50% aus Frischfasern von getrocknetem Gras hergestellt. Die Struktur mit sichtbaren Faserteilen wirkt ursprünglich und ein wenig rustikal.

Was ist nachhaltiges Grafikdesign?

Zunächst mal – was ist „Nachhaltigkeit“ eigentlich genau?

Der DUDEN definiert Nachhaltigkeit so:

1.) längere Zeit anhaltende Wirkung

2. a) forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann (Gebrauch: Forstwirtschaft)

2. b) Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann (Gebrauch: Ökologie)

Nachhaltigkeit auf Duden online. URL: https://www.duden.de/node/713429/revisions/1380643/view (Abrufdatum: 03.12.2020)

Nachhaltigkeit bedeutet, nicht nur wirtschaftlich zu handeln, sondern auch soziale Verantwortung zu übernehmen und bewusst mit natürlichen Ressourcen umzugehen. Auch für die Menschen, die noch nach uns auf dieser Welt leben.

Auch beim „nachhaltigen Grafikdesign“ geht es darum, vorausschauend zu denken und solidarisch und umweltbewusst zu handeln. Hier kann vor allem durch Beratung, langlebige Designs, die Auswahl von umweltverträglichen Papieren sowie Druckverfahren zur Nachhaltigkeit beigetragen werden.

Checkliste zur Inspiration

Langlebiges Design erstellen

  • Entscheide dich für ein Design, dass langlebig und hochwertig ist.
  • Gestalte Drucksachen, die lange oder mehrfach nutzbar sind.

Print & digital

  • Überlege vorab, wie du die gewünschte Botschaft am besten transportieren kannst. Erfüllt das geplante Druckprodukt seine Funktion? Eignen sich digitale Medien besser? (Digitale Medien sind übrigens nicht unbedingt nachhaltiger.)

Auflage

  • Lass nur soviel drucken, wie gebraucht wird. Wenn die Inhalte oft geändert werden müssen, entscheide dich für eine kleine Auflage und warte mit dem Nachschub bis zur nächsten Änderung.
  • Gehe gezielt vor und kenne deine Wunschkund:innen! So kannst du deine Werbematerialien besser an sie anpassen und gezielter verteilen. So schonst du Ressourcen und sparst Geld.

Format

  • Wähle ein Endformat, das die Druckbögen am besten ausnutzt. So kann die Abfallmenge reduziert werden.
  • Geeignet sind meistens DIN-Formate (z.B. DIN A4, DIN A6).
  • Vielleicht lässt sich das Format verkleinern?

Papiersorte & Materialien

  • Entscheide dich möglichst für recyceltes Papier.
  • Nutze umweltfreundliche Materialien, die sich später wieder recyceln lassen.

Farbe

  • Schon beim Design kannst du die Farben reduzieren.
  • Bei der Druckproduktion können mineralölfreie, schadstoffarme Bio-Farben verwendet werden, die sich beim Recyceln wieder herauslösen lassen.
  • Verzichte auf Metallic- oder Neonfarben.

Veredelung

  • Wenn du dir eine Veredelung wünschst, kannst du Stanzung oder Blindprägung als umweltfreundlichere Alternativen wählen.
  • Verzichte auf Veredelungen wie Glanzlacke und Folien.

Druckerei

  • Arbeite mit lokalen Dienstleistern zusammen. Am besten mit solchen, denen soziale Verantwortung und Umweltschutz wichtig sind. So kannst du Unternehmen vor Ort unterstützen und die Transportwege minimieren.
  • Sonst schau etwas weiter, wo du eine Druckerei findest, die sozial gerecht handelt und umweltverträgliche Drucktechniken nutzt. Hilfreich bei der Wahl kann der UmDEX (Umwelt-Index-Druck) sein, der eine Übersicht nachhaltiger Druckereien zeigt.

Vorhandenes nutzen

  • Nachhaltigkeit kann auch heißen, schon Vorhandendes weiter zu nutzen. Alte Briefbögen z.B. sind prima als Schmierzettel oder für interne Ausdrucke.

Wissen teilen

  • Tausch dich mit anderen aus.
  • Gib dein Wissen und deine Erfahrungen über nachhaltiges Design und Printproduktion weiter.

Ist nachhaltiges Grafikdesign teurer?

Das kommt darauf an.

Wenn das Prinzip bisher war: Schnell & Discountdruck – dann ja. Es wird vermutlich teurer mit einer nachhaltigen Alternative.

Wenn aber ein langlebiges Design erstellt wird, das hochwertig und lange nutzbar ist und gezielt eingesetzt wird, können Ressourcen und oft auch Kosten gespart werden.

Aber ist das immer nur eine Frage der Prioritäten?

Ich finde, ganz so einfach ist es nicht.

Manchmal ist die Frage nicht: Nachhaltiges oder konventionelles Design und Produktion? Sondern: Kann ich mir gerade überhaupt Design und Broschüre leisten?

Warum dann nicht einen Kompromiss finden und zum Beispiel konventionell drucken, aber auf Recyclingpapier? (Das übrigens gar nicht immer grau und hässlich ist.)

Ich finde, es zählt, dass jeder so viel tut, wie er oder sie eben gerade kann! Ohne Rechtfertigungen und schlechtes Gewissen.

Naturpapier ist ungestrichen und hat ein hohes Volumen. Es hat eine hochwertige und natürliche Haptik und lässt sich gut beschreiben.

Warum 100% nicht mein Ziel sind

Die eine perfekte Lösung für nachhaltiges Grafikdesign gibt es nicht.

Aber viele kleine Änderungen. Einzelne realisierbare Ziele. Auch wenn oft Kompromisse notwendig sind.

Dazu noch ein Zitat aus der „Charta für nachhaltiges Design“ der AGD:

„Wir begreifen nachhaltiges Design als Prozess. Nicht das 100%-nachhaltige Produkt steht im Vordergrund, sondern die schrittweise Verbesserung der bestehenden Produkte und Prozesse.“

Charta für nachhaltiges Design bei Allianz deutscher Designer (AGD). URL: https://agd.de/designer/szene/design-nachhaltigkeit/charta-fuer-nachhaltigkeit (Abrufdatum: 03.12.2020)

Wie man richtig nachhaltig lebt und arbeitet, weiß ich auch nicht.

Aber ich kann mich informieren. Dazulernen. Und jeden Tag versuchen, die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen.

Ohne Schwarzmalerei, Rechtfertigungen und Schuldgefühle.

Dafür mit Fantasie, Offenheit und Freude am Leben!

Schaust du auf Nachhaltigkeit bei deinem Branding? Was sind deine Erfahrungen? Hast du weitere Tipps? Verrate es mir in den Kommentaren!

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